„Wir liegen richtig, wenn wir weiterhin das Ziel verfolgen, immer wieder auf die Chancen und Möglichkeiten beruflicher Qualifizierung aufmerksam zu machen“, so Andreas Städter von IQ-Consult, Koordinator der „Woche der Weiterbildung“ im Rückblick. Die Aktionswoche unter dem Motto „Wir kön-nen mehr“ Ende Mai ist erfolgreich verlaufen und hat bereits neue Unterstüt-zer für das kommende Jahr gewonnen.
In der „Woche der Weiterbildung“ informieren und beraten Weiterbildungseinrich-tungen, Betriebe und öffentliche Verwaltungen über Angebote der beruflichen Wei-terbildung für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Veranstalter werben dafür, dass Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Mittelgeber (Arbeitsagenturen, AR-GEn u.a.), Verwaltungen, Politik und Medien das Thema Weiterbildung aufgreifen und unterstützen, Migrantenorganisationen und Migranten-Medien eingeschlossen. In Nordrhein-Westfalen beteiligten sich dieses Jahr unter anderen das DGB-Bildungswerk, IQ Consult, der Westdeutsche Handwerkskammertag, MOZAIK gGmbH und die ARGE Aachen. Hinzu kamen Kooperationspartner mit Veranstal-tungen in Frankfurt, Augsburg, Dresden und Berlin. Es fanden Fachveranstaltun-gen, Tage der offenen Tür, Informations-, Beratungsangebote und andere Aktivitä-ten statt. Auch die Organisatoren der Integrationskonferenz (IMMIGRA) in Saar-brücken (3. Juni) haben sich der Woche der Weiterbildung angeschlossen.
Die gemeinsame Botschaft: Weiterbildung dient der beruflichen Integration! Wei-terbildung schafft Perspektiven am Arbeitsmarkt, sichert den Arbeitplatz und trägt zum Unternehmenserfolg bei.
„Weiterbildung wird immer wichtiger für Migrantinnen und Migranten, die, aus wel-chem Grund auch immer, aus dem Raster der Umworbenen fallen, aber dennoch über berufliche und soziale Kompetenzen verfügen“, sagte Andreas Städter, Pro-jektleiter der Woche der Weiterbildung bei IQ Consult, der die Erfahrungen aus diesem und letztem Jahr als Fundament für eine zukünftige Institutionalisierung betrachtet. „Die „Woche der Weiterbildung“ ist auf dem besten Weg, eine ständige Einrichtung zu werden“, findet auch Leo Monz, Leiter des Kompetenzzentrums Pro Qualifizierung, und freut sich über das wachsende Interesse von neuen Unterstüt-zern für 2009.
Forderte Dr. Dieter Eich, Geschäftsführer des DGB-Bildungswerks, anlässlich der Ausstellung „Migration, berufliche Integration und Weiterbildung“, die im Hans-Böckler-Haus in Düsseldorf im Rahmen der zweiten „Woche der Weiterbildung“ zu sehen war. Eich weiter: „Es reicht einfach nicht, nur den Koffer zu packen, in ande-re Länder zu fahren und zu sagen, interessant, was hier geboten wird, aber das nur auf die eigenen Ferien zu beziehen!“ Vielmehr sei es geboten, die Fähigkeiten und Erfahrungen vieler Menschen aus dem Ausland auch bei uns anzuerkennen, es könne nicht sein, dass ausgebildete Lehrerinnen, Ärztinnen und Ingenieure sich bei uns als Putzhilfen und Lagerarbeiter verdingen müssten. Die Ausstellung hatte auf die Probleme bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen aufmerksam gemacht.
Mit einem „Tag der offenen Tür“ hatte sich die ARGE Aachen gemeinsam mit der RAG Bildung, dem Bildungsdienstleister der Ruhrkohle AG, an der „Woche der Weiterbildung“ beteiligt. Vorgestellt wurde ein Pilotprojekt, dessen Besonderheit im Angebot bilingualen Lernens besteht. Der Schwerpunkt: Eine berufsspezifische Sprachförderung in vier verschiedenen Berufsfeldern einschließlich Deutschunter-richt. Die Berufsbereiche sind Kosmetik und Körperpflege, Holz, Metall, Hauswirt-schaft, Textil und Handel. Neu ist, dass sich die Qualifizierung ausschließlich an Menschen mit türkischem Migrationshintergrund richtet und gezielt auf individuellen Fähigkeiten und kulturellen Besonderheiten aufbaut. Es handelt sich um eine Art Lehrwerkstatt mit dem Ziel, den Menschen – zumeist Langzeitarbeitslosen – zu einem Praktikums- oder Arbeitsplatz zu verhelfen.
"Bilinguale Fortbildungsmaßnahmen sind besonders geeignet für Menschen, die wenig Deutsch sprechen und lernungewohnt sind. Hierdurch können erwachsene Migrantinnen und Migranten in die Lage versetzt werden, anschließend an Maß-nahmen teilnehmen zu können, bei denen ausschließlich Deutsch gesprochen wird. Dies fördert nicht nur die berufliche, sondern auch die gesellschaftliche Integ-ration und stärkt die individuelle Handlungsfähigkeit", beschreibt Projektkoordinator Kurt Rieder (ARGE Kreis Aachen) das Ziel des Projekts.
Mit Netzwerktreffen für Fachleute aus Arbeitsagenturen und ARGEn sowie für Öf-fentliche Verwaltungen und Betriebe beteiligte sich das DGB-Bildungswerk in Düs-seldorf an der „Woche der Weiterbildung“. Hier ging es unter anderem um Chan-cen von Migrantinnen und Migranten bei der Polizei NRW, um den Einsatz von Förderinstrumenten aus der Gleichstellungsarbeit für Menschen mit Zuwande-rungshintergrund oder um neue Wege in der Qualifizierung von langzeitarbeitslo-sen Migrantinnen und Migranten. Die Netzwerkkonferenzen dienen als Erfah-rungsaustausch von Fachleuten, die sich in ihrer täglichen Arbeit für die Qualifizie-rung von Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen.
Für wichtig halten die Experten besondere Informations- und Beratungsangebote für Menschen mit Migrationshintergrund. Dirk Sauerborn, zuständig für Öffentlich-keitsarbeit bei der Düsseldorfer Polizei und Ansprechpartner für interkulturelle An-gelegenheiten: „Die gezielte Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen ist ein Erfolgsfaktor bei der Gewinnung von Migrantinnen und Migranten für den Polizei-beruf.“
Weiterbildung ist ein sperriges Thema, an das viele Arbeitnehmenden, Unterneh-mer und Arbeitslose nicht wirklich heran wollen. Abgesehen von einem schwer zu durchdringenden „Weiterbildungsmarkt“. Aber: „Man kann sehr wohl auch als zu-gewanderter Mensch, auch mit niedrigem Qualifikationsniveau in Deutschland Fuß fassen“, sagte Dr. Dieter Eich, „doch der Erfolg ist mit einer ganzen Menge Schwierigkeiten verbunden.“ Das bestätigten auch die Zahlen: 41 % der Einwande-rer haben keinen anerkannten Berufsabschluss, nur 14 % haben studiert, und die Arbeitslosigkeit unter den Migrantinnen und Migranten sei doppelt so hoch wie unter den Einheimischen. Weiterbildung ist zweifellos ein Schritt zur beruflichen Integration. Und von Integra-tion profitiert die gesamte Gesellschaft, „etwa über eine höhere Produktivität der beschäftigten Arbeitskräfte“, heißt es einer Studie des Büros für Arbeits- und Sozi-alpolitische Studien (BASS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Durch mehr In-tegration könne die Gesellschaft insgesamt einen größeren sozialen Frieden errei-chen.
Info:
Das Kompetenzzentrum Pro Qualifizierung – Interkulturelle Öffnung mit dem Trans-ferprojekt „Woche der Weiterbildung“ bei IQ Consult führte zum zweiten Mal die Woche der Weiterbildung durch. Auch dieses Jahr waren die Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten vielfältig: Unterstützung des gemeinsamen Aufrufs, In-formations- und Beratungsangebote, Tage der offenen Tür, Betriebsbesichtigun-gen, Workshops, Vortragsveranstaltungen, Medienbeiträge und anderes mehr. IQ Consult koordiniert die Woche der Weiterbildung, berät die Beteiligten bei der Ges-taltung von Aktivitäten, bündelt die Ergebnisse und dokumentiert die Erfahrungen und guten Praxisbeispiele.